11. April 2014

Beim Gang durch die Löfftzstraße fielen dem Spaziergänger diese Blüten auf. Es blüht an allen Ecken und Enden. Man müsste glatt mit einem Bewertungsbogen durch die Gärten wandeln und Punkte vergeben für die schönsten Farben, die bizarrsten Formen und die wohlschmeckendsten Düfte. Aber Deutschland such hoffentlich nicht die Superblüte. Jede hat einen Reiz für sich. Und wir wollen sie still bewundern, dezent Beifall klatschen und ihnen ein halblautes "Bravissimo!" zurufen - so lange sie da auf der Bühne der Natur stehen.

Und hier eine Blüte ganz in Weiß, passend zu den Fenstern der Borstei. Die Blüten drängen sich ganz eng zusammen, wohl um sich in den kühlen Nächten aneinenander zu wärmen und sich Geschichten zu erzählen. Und wenn tagsüber die Bienen kommen, da wird viel geratscht, weil die Bienen ja weitgereiste Leute sind. "Ich würde auch einmal gerne in der Borstei herumfliegen!", wünscht sich eine Blüte. Da kommt ein Windstoß und trägt sie ein bisschen in der Gegend herum. Dann sinkt die Blüte müde ins Gras und träumt noch lange von ihrer kurzen Reise durch die Borstei.

5. März 2014

Kikerikiiii! Aufwachen! Der Frühling ist schon da! Der Winter hat sich ganz leise durchgeschlichen, man hat ihn kaum bemerkt. Der Goldene Hahn im Rosengarten der Borstei ist ein Oster-Tier. Er legt zwar keine Eier, weder österliche, noch goldene, aber er ist ein Friedensstifter, passend zu den Ostermärschen. Der Goldene Hahn hat nämlich in grauer Vozeit einen König stets vor Angriffen seiner Feinde gewarnt. "Und vom allerhöchsten Dache / hält der Hahn darauf die Wache. / Zeigt sich irgendwo Gefahr, / wird er ihrer rasch gewahr, / ..." heißt es in dem Gedicht von Alexander Puschkin. Der Hahn hat mit seinem Frühwarnsystem die Feinde so zermürbt, dass sie schließlich das Angreifen aufgegeben haben. Dem Hahn sei Dank! Der Bildhauer Andreas Rauch hat den Borstei-Friedens-Hahn 1958 angefertigt.

Großer Andrang herrscht derzeit auf dem Rasen vor der Japanischen Zierkirsche. Hunderte von Krokussen (oder Kroküssen?) sind herbeigeeilt zum Frühlingstreffen der Krokanten. Wer genau hingehört hat, der vernahm auch ihre leisen Stimmchen, ihr aufgeregtes Getuschel, ihre kleinen Freudenjauchzer über die wärmenden Sonnenstrahlen.Ob sie für diese Großveranstaltung auch eine polizeiliche Genehmigung eingeholt haben?

Der hier hat viel vor im neuen Jahr. Noch ist er ein Wickelkind, geschützt gegen Kälte und Trockenheit. Auch ist er noch nicht ganz standfest und braucht noch zwei Stützen. Reden kann er auch noch nicht. Aber - was man nicht sehen kann - mit seinen Würzelchen wühlt er schon ganz unternehmungslustig im Boden herum, seine Ästchen versuchen schon die ersten selbstgemachten Blätter und kaum schaut man sich um, steht er ohne alle Hilfsmittel da und wächst fröhlich in den Himmel hinein. Ja, die alten Bäume in der Borstei, die nicken sich müde zu und schwärmen von alten Zeiten, als sie auch mal so jung und aufstrebend waren. Damals spazierte noch der Herr Senator zwischen ihnen herum und freute sich, wenn sie wieder etwas gewachsen waren. Aber das ist lange her. Immer mehr alte Bäume werden schwach und ihre Äste werden brüchig. Sie müssen gefällt werden. Die Gärtner pflanzen junge Bäume nach für die nächsten Generationen der Borsteibewohner. Wir zollen den alten Bäume Respekt und Dankbarkeit, und wir wünschen der Baum-Jugend ein fröhliches Wachsen, Wurzeln und Treiben! Aber bitte nix übertreiben!

PS: Wer die Bilder anklickt, kann sie genauer anschauen!

Klick mich an, dann werd ich groß!
Klick mich an, dann werd ich groß!

3. Dezember 2013

Ja! Er war da! Der Frühling! Und der Sommer. Und der Herbst. Und jetzt wird es Winter. Die Zeit fegt nur so über die Borstei hinweg. Der Spaziergänger kommt gar nicht mehr nach mit dem Schauen und Berichten. Aber macht nichts! Jeder kann ja selber durch die Gärten spazieren und sich seine Gedanken machen. Noch sind nicht alle Blätter vorschriftsmäßig abgeworfen. "Na, her damit!" rufen die Gärtner den Bäumen freundlich zu. Sie wollen ihre Laub-Rechen endlich in die Ecke stellen. Im Garten der Ruhe ist der Teich eingezäunt. So ist man doch sicher vor den Krokodilen, die in der kalten Jahreszeit besonders hungrig auf die Spaziergänger lauern. Die zwei leicht geschürzten Damen, "Der Morgen" und "Der Abend" (trotz des männlichen Artikels eindeutig weibliche Wesen) sind endlich unter die Haube gekommen und machen unter ihrer Holzverschalung Winterschlaf. Die  "Tanzende Hofdame" und der "Tanzende Kavalier" im Rosengarten haben nun auch Häuschen bekommen. Sie bewegen sich nur noch ganz vorsichtig, damit sie nix kaputt machen, denn ihr Winterhaus ist verglast. Die beiden Hunde haben aber keine Hundehütte bekommen. Sie sind immer noch getrennt, einer steht im Rosengarten, der andere im Paul-Bürck-Garten. Nachts hört man sie gelegentlich heulen ob dieser Trennung. Im Ladenhof sind wieder die Christbäume aus dem Boden geschossen und so geht es über den Advent rasant hinein ins Weihnachtsfest, dann mit einem kühnen Sprung über den Jahreswechsel hinweg und mit Schwung geradewegs hinüber ins Jahr 2014, bis zum Frühling, wo man die Skier wieder abschnallt und sich in der warmen Sonne auf einer Bank in den Borsteigärten ausrasten kann. Dann ist sie endlich da, die „Staade Zeit“!

Tanzen im Glashaus
Tanzen im Glashaus
"Hallo! Klick mich an, dann werd ich größer!"
"Hallo! Klick mich an, dann werd ich größer!"

10. März 2013

Ja! Er ist da! Der Frühling! Das Foto beweist's! Nach dem Kalender beginnt er zwar erst am 20. März, aber in Flora-Kreisen richtet man sich nicht nach einem schnöden Kalender, sondern man spitzt aus dem Boden, wenn man dazu aufgelegt ist. Die großen Schneehaufen vom Nachwinter sind zusammengeschmolzen. Der Splitt auf den Wegen wartet auf den Besen, der ihn in den Sommerschlaf kehrt. Unter den Sträuchern im Rosengarten sieht man schon den neugierigen Eranthis hyemalis herausschauen. Er hat sich durch den körnigen Schneerest gearbeitet, sein Kollege rechts ist noch dabei, diesen Kraftakt zu vollbringen. Mein gelber Held macht seinem bürgerlichen Namen "Winterling" alle Ehre. "Hallo!" hat er mir zugerufen und vor Freude und Stolz gekichert, als ich ihn für die Borstei-Homepage fotografierte...

Die neue Frühjahrsmode
Die neue Frühjahrsmode

23. Januar 2013

Im Streit zwischen dem Weihnachtstermin und dem Winter wird der Weihnachtstermin wohl nachgeben müssen. Der Winter hat sich nun mal entschlossen, erst ab Januar mit Schnee und seinen üblichen Insignien aufzutreten. Und er ist seit Jahren nicht abzubringen davon. Also verlegt man besser Weihnachten in den Januar, damit sich keiner mehr über ein verregnetes Weihnachtsfest ärgern muss. Die Christbäumchen in der Ladenstraße, so liebevoll geschmückt, standen die meiste Zeit im Regen und es hingen nicht nur Regentropfen an ihren Zweigen, sondern auch die eine oder andere Träne der Verzweiflung. Nun sind sie fort und der Winter kommt mit Schnee und lacht hämisch. So ein Lümmel! Endlich kommen Salz und Splitt aus ihren Lagern, endlich werden unsere morgendlichen Albträume vom beruhigende Summen der fleißigen Schneeräumfahrzeuge beendet, endlich kann man sich tänzerisch betätigen, wenn man auf den gewohnten Abkürzungen über hohe Schneehaufen balancieren muss. Auch wenn man in klobige Wintersachen eingemummt ist, man fragt sich doch: Wie wird die Mode im Frühjahr sein? Da gibt uns die Rokkokodame im Rosengarten Auskunft! Sie führt einen Hermelin-Schal vor (vermutlich eine Imitation), der ganz sicher der Damenwelt im Frühling unentbehrlich sein wird. Strahlend weiß sitzt der Pelz auf ihren Schultern, oh, wie elegant und apart! Wenn er nur nicht von den nächsten Sonnenstrahlen geklaut wird, der kleidsame Pelz - da heißt es wachsam sein! Die Sennerin im Rosengarten dagegen hält nichts von der Haute Couture, sie hält einen Schneeball in ihrer Hand - aber das sehr dramatisch! "Seht her!", scheint sie zu sagen, "dies ist ein Ball von Schnee, oh je, dass er doch niemals schmölze, wie ich im Glaspalast dereinst. Sein oder Nichtsein? Vergänglichkeit, dein Name ist Schnee. Du kaltes Wesen in meiner bronzenen Hand!" usw. Auf einer Bank ganz nahe beim Goldenen Hahn im Rosengarten sieht man eine weiße Wolldecke ganz aus Schnee gestrickt, die - achtlos von einem Bankbesucher zurückgelassen - heruntergerutscht ist und nun in sich versunken vor sich hinsinniert und unverständliches Zeug murmelt von "Hermelin", "Schneeball" und "Wolldecke". Der Winter bringt noch den ganzen Rosengarten, ja die ganze Borstei durcheinander, nicht nur den Traum vom weißen Weihnachten! Und dann lacht er auch noch so hämisch.

 

23. Oktober 2012

Wo bleibt nur der Spaziergänger? Den ganzen Sommer spazierte er durch die Borstei, aber die Tage waren lang, die Sonne verlockend und die Abende kurz. Der Herbst setzt ihn nun wieder an den Schreibtisch. Es wird früh dunkel und man entdeckt seine Wohnung aufs Neue als Schutz- und Trutzburg. Der erste Schnupfen hebt seinen Zeigefinger: "Wärmer anziehen ab jetzt!" Der Heizkörper murmelt "Turn me on!", aber man will ja kein Weichling sein. Ein heißer Tee tut gut und in der Einkaufstasche findet man schon die ersten Lebkuchen - wer die wohl da hineingesteckt hat? Draußen die Kastanien sagen: "Da habt ihr meine Knollen, die Blätter kommen auch gleich runter und wir gehen schon mal Zähneputzen!" Die Bänke sind nass, die Spielplätze leeren sich, die Sonne hat sich tiefer gelegt und späht ganz frech weit in die Wohnungen hinein. Herbst in der Borstei - auch außerhalb soll der Sommer schon auf dem Rückzug sein. Die Sonne gähnt.

21. Juli 2012

Die Kastanien blühen? Aber das ist doch schon lange vorbei! Die Kastanien haben schon ihre Stachelbälle und leider ist auch die Miniermotte schon wieder dabei, die frisch-grünen, riesigen Blätter zu verunstalten. Aber das Blätterdach der Kastanien ist dicht herangewachsen und wird uns an kommenden heißen Sommertagen vor der Sonnenhitze schützen.

Und trotzdem: Die Kastanien blühen! Wer am Neptunbrunnen steht und in Richtung Goldener Hahn schaut, der sieht am Eck der Mauer einen Strauch mit Blüten, die wie Sternwerfer am Christbaum ausschauen. Es ist die Strauchkastanie, die hier ihren sommerlichen Blütenzauber vorführt. Sie denkt sich: "Ich blühe, wenn die anderen Bäume damit fertig sind!" Sehenswert!

 

 

Beim Gang durch den Rosengarten versetzt einen ein Baum in südliche Zonen: Die Weidenblättrige Birne. Sie schaut nicht wie ein Birnbaum aus, sie schaut nicht wie eine Weide aus, sie gleicht am ehesten einem Olivenbaum. Ihr helles Mattgrün und die kleinen silbrigen Blätter versetzen den eiligen Fußgänger mit einem schnellen Seitenblick für Sekunden in behäbig-zeitlose spanische Olivenhaine. Wer etwas Zeit hat, kann sich auch auf die Weidenblättrigebirnenbank setzen und dem Spiel der Olivenblätter zuschauen. !Muy recreativo!!


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Der Elch im Weidenhof
Der Elch im Weidenhof

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28. April 2012

Es ist höchste Zeit, mich beim Frühling zu entschuldigen, weil ich ihm am Anfang des Monats ein so kritisches Zeugnis ausgestellt habe. Meine neuerliche Inspektion der Gärten hat erbracht, dass viel bewerkstelligt wurde. Der Elch, der im abgelegenen  Weidenhof seinen stummen Ruf ertönen lässt, ist wieder vom grünen Vorhang der Weiden verhüllt worden. Nun fühlt er sich nicht mehr eingeengt von Häusern, sondern er träumt von der weiten Tundra des Nordens, wo er in den lichten Wäldern nach Nahrung sucht. Zu seinen Lieblingsspeisen gehört übrigens auch das frische Laub der Weiden. Darum wurde der Elch hier in der Borstei fest auf einem Sockel verankert.

Die Japanische Zierkirsche ist in 4 Exemplaren im südlichen Rosengarten anzutreffen. Eine hat bereits geblüht, sie wird jetzt abgelöst von den beiden nächsten und die vierte ist noch ganz jung, wurde erst letztes Jahr eingepflanzt. Dass sie nicht alle gleichzeitig blühen, ist erstaunlich. Entweder es gibt Rivalitäten zwischen ihnen oder sie sprechen sich ganz vernünftig ab, wer wann mit dem Blütenzauber dran ist. Wir wünschen der jungen Zierkirsche eine fröhliche Jugendzeit im Rosengarten.

Zierkirsche: Blüht mit Eifer
Zierkirsche: Blüht mit Eifer

Die Bänke in den Borsteigärten - monatelang traurig und missmutig vor sich hinfröstelnd - stehen jetzt wieder hoch im Kurs, um einen Begriff aus der Finanzwelt zu gebrauchen. Ihr Kurswert steigt, wenn die Sonne draufscheint, wenn der Schatten kommt, fallen die Aktien wieder. Es gibt da eine Bank im nördlichen Rosengarten, die ist ganz besonders für vorsichtige Gartenbesucher geeignet: Sie wird nämlich bewacht von einem Hund, der für seine Dienste nicht einmal Futter beansprucht. Er knurrt nicht, er hüpft einen nicht mit schmutzigen Pfoten an und er hat einen ganz großen Vorteil gegenüber diversen anderen Hunden, die frohgemut auf die Borsteiwiesen geführt werden: Er macht keine Würstchen in das Gras! Er ist praktisch ein kleines "Denkmal des gepflegten Hundes", das weniger für die Hunde als für manche ihrer Erziehungsberechtigten erleuchtende Wirkung haben sollte - besonders jetzt, wo so viele Kinder in jugendlichem Übermut auf den Grünflächen herumspringen, picknicken und den Frühling so herzlich begrüßen. Wau!

Das Hundedenkmal
Das Hundedenkmal

4. April 2012

Es ist wieder so weit: Der Frühling macht sich bemerkbar. Er ist es gewohnt, mit "Aaah!" und "Oooh!" begrüßt und bejubelt zu werden. Es gibt eine Menge Gedichte über ihn. Blumen, Sträucher und Bäume rangeln um Bewunderung. "Ich bin da! Schaut her! Ich!" Grelle Farben. Angeberei!? Deutschland sucht die Superblüte??? Dieser Wettstreit ist mir etwas bedenklich. Ich bekenne, ich bin ein Freund des Herbstes. Da geht alles ruhig zu, in abgeklärten Farben und in geruhsamem Tempo. Im Frühling dagegen reicht ein Sonnenstrahl, ein warmer Tag - und schon platzen die Blüten und Knospen hervor - hektisch und zappelig. Dazu fährt die Natur dem Frühling immer wieder mit Kälte in die Parade, mit Regengüssen und mit einem Wirrwarr von Aprilwetter. Keine milde Frühlingssonne, kein gemütliches Beginnen, so wie der Herbst die Natur zur Ruhe kommen lässt. Doch alles in allem - wie kann man nur den Frühling kritisieren? Man sollte ihm Verständnis entgegenbringen und ihm viel verzeihen, so wie man den jungen Menschen ihre Eskapaden nachsieht. Es wird schon werden! Der Sommer wird wieder ruhiger. Und dann erst der Herbst...

Die Japanische Zierkirsche prunkt in Rosa.
Die Japanische Zierkirsche prunkt in Rosa.
Chloe mit hübscher Schneehaube
Chloe mit hübscher Schneehaube

29. Januar 2012

Der Sommer ist ein Maler, der Winter ein Zeichner. Damit das dunkle Liniengewirr der Sträucher und Bäume recht gut zur Geltung kommt, hat der Winter als Hintergrund den Schnee erfunden. Mit dem Schnee macht er aber noch ganz andere Kunststücke: Wo erst Autos das Gesamtbild der Borstei trübten, stehen jetzt plötzlich weiße Schneewittchensärge und man denkt, gleich müssten die sieben Zwerge um die Ecke schlittern, um die Königstochter wachzurütteln. Auch die Fahrräder, die das Jahr über an allen Ecken und Enden der Borstei stehen, herumlümmeln, vor sich hinrosten oder nach einem Sturm im Weg liegen - auch die Fahrräder bekommen durch einen weißen Flaum märchenhafte Gestalt. Kann man mit ihnen geradewegs in den Himmel hineinradeln, so sanft und schwerelos, wie sie ausschauen? Der Winter betätigt sich darüber hinaus auch noch als Modeschöpfer, ganz ohne Allüren. Jetzt, wo alle Welt teure Mützen und Kappen und Hüte aufsetzt, verteilt der Winter kostenlos maßgeschneiderte Hauben. Schon das Wort kommt viel anschmiegsamer daher als "Mütze" oder "Kappe". Die Haube wird langsam und bedächtig - Schneeflocke für Schneeflocke - auf ein Haupt gesetzt, das sich dabei ganz still verhält und nicht ständig herumwackelt. Der Mensch hat's ja immer eilig, so kann er auch keine Schneehaube bekommen. Schade, sie wäre ganz umsonst und durchaus chic in ihrer schlichten Form und Farbe, ganz behutsam gestrickt vom Winter, biologisch und made in Germany! Chloe, die Tanzende Hofdame und viele weitere Statuen in den Gärten der Borstei, die können stillhalten und warten - und deshalb bekommen sie eine Schneehaube. Leider ist sie wieder weg, wenn im Sommer die Sonne herabbrennt auf Chloe, die Tanzende Hofdame und all die anderen Skulpturen. Aber der Sommer ist nicht so freigiebig wie der Winter: Ich hab noch nie gesehen, dass er Sonnenhüte verteilen würde, so leise und selbstlos, wie der Winter die Schneehauben.

Auch er ist unter die Haube gekommen!
Auch er ist unter die Haube gekommen!
Ein Winterrad, erkältet, mit Halstuch
Ein Winterrad, erkältet, mit Halstuch
Die Zaubernuss - wer das Foto anklickt, kann es größer anschauen!
Die Zaubernuss - wer das Foto anklickt, kann es größer anschauen!

25. Januar 2012

Im diesjährigen Wechselbad von Schnee und Regen frösteln die Bäume und Sträucher der Borstei vor sich hin. Aber ein Strauch kümmert sich nicht um das pseudowinterliche Treiben, er blüht, als wär es Mai! Die Gartenkundigen wissen sofort: Das kann nur die Zaubernuss sein. Wenn man von der Dachauer Straße in die Ladenstraße der Borstei kommt, steht sie gleich links, sozusagen als Portier. Sie blüht so leise vor sich hin, ihre gelben fasrigen Blüten sind so zurückhaltend, dass sie von den im Winter doppelt eiligen Passanten selten wahrgenommen wird. Geht man nah zur Zaubernuss hin (sie freut sich drüber!), wird man an ihrem kräftigen Stamm sogar ein Namensschildchen finden. Sie nennt sich ganz vornehm auch Hamamelis. Klingt irgendwie aristokratisch, nicht so profan und zirkusmäßig wie Zaubernuss. Sie ist heimisch in den gemäßigten Zonen der nördlichen Erdhalbkugel, also in Japan, in China, in Nordamerika und in der Borstei. Die Europäer haben sie erst im 18. Jahrhundert aus Nordamerika geholt, zur Zierde ihrer Gärten. Dabei kann die Zaubernuss viel mehr, als das Auge erfreuen. Die Indianer in Nordamerika, die von Ziergärten nicht viel hielten, schätzten die Zaubernuss wegen ihrer medizinischen Nutzanwendung. Verletzte sich ein Indianer bei der Jagd oder auf dem Kriegspfad, dann wurde die Hamamelis als entzündungshemmendes Mittel eingesetzt. Dafür haben wir in der Borstei aber die Apotheke und so kann die borsteiliche Zaubernuss friedlich vor sich hinblühen, während die anderen Pflanzen neidisch zu ihr hinüberschauen und knurrend auf den Frühling warten.

 

Der Zentaur mag den Winter nicht.
Der Zentaur mag den Winter nicht.

10. Januar 2012

Das neue Jahr hat begonnen, der Winter noch nicht. Die Bäume und Sträucher warten auf Schneeeeee und die Kinder der Borstei auch! Natürlich muss es nicht so viel sein wie schon in manchen Jahren, aber ein gerütteltes bzw. geschneites Maß davon wäre jetzt nicht falsch, Frau Holle! Wenn im Osternest dann Schneebälle liegen, das gefällt doch auch keinem. Drum sollen einige Winteraufnahmen früherer Jahre den Winter herbeilocken - vielleicht gelingt's...

Da war schon jemand beim Semmelholen...
Da war schon jemand beim Semmelholen...
Der Harmonikaspieler
Der Harmonikaspieler

9. Dezember 2011

Nun kommen sie wieder zum Vorschein, nachdem sie sich das Jahr über hinter dichtem Laub versteckt gehalten haben: Orpheus und der Harmonikaspieler.

Orpheus, an der Ecke Bernhard-Borst-Straße/Löfftzstraße, steht abseits des geschäftigen Alltags in einer Nische und lässt seine Harfe leise erklingen. Neben sich hat er sein Radl stehen - doch wo nur bewahrt er den Schlüssel für das Fahrradschloss auf?

Der Harmonikaspieler dagegen verbirgt sich im Gebüsch hinter der Merkursäule, nicht weit vom Borstei-Cafe, wo sich im Sommer die Gäste oft über die heiteren Melodien aus der Luft wundern. Aber jetzt ist das Laub abgefallen und er ist nicht mehr zu übersehen. Ob manchmal eine Münze bei ihm landet für sein Harmonikaspiel mit klammen Fingern?

Orpheus und der Harmonikaspieler - zwei Musikanten, die im Sommer nur zu finden sind, wenn man mit offenen Ohren durch die Borstei geht. Dann hört man ihre stillen Weisen klingen. Ob sie des nachts manchmal zusammen musizieren, im Rosengarten, wo schon zu Bernhard Borsts Zeiten abendliche Konzerte stattfanden?

Orpheus
Orpheus
Sternmagnolie und Weihnachtsbaum
Sternmagnolie und Weihnachtsbaum

25. November 2011

Im Ladenhof geschehen Naturwunder! Aus dem gepflasterten Boden sind über Nacht mehrere kleine Tannen und eine große herausgewachsen. Ungewöhnlich für die Nadelbäume ist auch, dass sich statt rauher Zapfen elegante Kerzen auf ihren Zweigen tummeln. Und gleichzeitig entdeckt der aufmerksame Spaziergänger, dass aus der Sternmagnolie unterhalb der hohen Säule des Merkur keine winterlichen Weihnachtssterne, dafür aber frühlingshafte Palmkätzchen sprießen. Die freuen sich jeden Tag auf die Novembersonne, die ab Mittag in den Ladenhof hineinblinzelt. Wenn es am Abend zeitig dunkel wird, legen sich die Palmkätzchen in ihrem Pelz schlafen. Die Wunderbäume aber werden munter und fangen an zu leuchten. Seltsame Welt im Ladenhof! (Und wer auf das Bild klickt, der kann die "Magnolienkätzchen" noch genauer anschauen...)